Abgeschickt von Hans-J�rgen Rieger am 02 August, 2004 um 20:39:37:
Antwort auf: Re: Jetzt mal ganz ehrlich meine Herren!!! von Malte am 02 August, 2004 um 13:16:48:
Hi Malte,
: Bin mal gespannt wie diejenigen die teures Geld f�r Ihre Pfeifen ausgegeben haben hierdrauf reagieren.
mit gro�em Interesse. Allerdings gilt Deine Aufstellung allerh�chstens f�r einen Hobbybastler.
Von Martin Farrents Seite http://www.pfeifenbox.de habe ich einmal den Versuch einer Kalkulation von Rainer Barbi herauskopiert. Der gesamte Artikel kann dort nachgelesen werden.
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Wie definiert sich Preis/Leistung aber aus dem Blickwinkel des Machers, der ja seine eigenen finanziellen Bed�rfnisse hat?
RB: Da ich pers�nlich zu der kleinen Gruppe der Macher geh�re, die weder ihre Grundsicherung aus einer ehelichen Beziehung oder einer Rente oder einem Hauptjob beziehen, sondern professionell das Pfeifenmachen als Grundexistenz betreiben, kann ich es mir weder leisten, Renommierpreise auszurufen, noch meine Preise hobbytechnisch f�r Freunde und Verwandte zu gestalten. Ich muss schlicht und ergreifend kalkulieren - und dieses markt- und st�ckzahlorientiert. Das ist, wei� Gott, nicht einfach, l�sst doch die jetzt bestehende Absatzsituation keinerlei handwerkliche Kalkulation wie bei einem Klempner oder Automobilreparateur zu. Besonders bei letzterem wird, ohne mit der Wimper zu zucken, locker ein Stundenlohn von 70 Euro akzeptiert. Pfeifenmacher k�nnen da bei weitem nicht mithalten.
Unser Rohmaterial, sprich Kantel in Top-Qualit�t, kostet ab 30 Euro aufw�rts. Kleinmaterial mit Kautschuk, Beizen, Poliermittel und Schleifmaterial ist noch einmal mit rund acht Euro zu addieren. Wenn wir jetzt noch bedenken, dass f�r die Erstellung einer High-End zwei Kantel notwendig sind (wir d�rfen ja nicht f�llen oder kitten), hei�t es, dass der Einstieg bereits 68 Euro kostet. Nun haben wir auch noch R�umlichkeiten zu bezahlen, Energiekosten wie Heizung und Strom, Maschinenverschlei� und Werkzeugkosten - das alles nat�rlich auch produktionsmengenabh�ngig. Das bedeutet bei unseren zeitintensiven Mindermenge noch einmal eine Umlage von 18 Euro pro St�ck. Jetzt sind wir bereits bei einem Roheinsatz von 86 Euro. Wenn wir dann eine Erstellungszeit von acht Stunden pro Einheit zu Grunde legen (und das ist die Faustformel f�r High-End-Qualit�t, n�mlich eine Pfeife pro Tag) addieren wir dazu noch einmal achtmal 15 Euro f�r die gesetzliche Mindestentlohnung eines lohnabh�ngig Besch�ftigten in der Baubranche. Das hei�t nach Adam Riese, dass zu den 86 Euro noch einmal 120 Euro Bruttolohn kommen.
206 Euro kostet damit jedes erstellte St�ck ab Produktionsst�tte, ohne allerdings irgendeine R�cklage oder Rendite in die Kalkulation aufgenommen zu haben, geschweige denn, die Zeit zu ber�cksichtigen, die ein Pfeifenmacher f�r den Rohmaterialeinkauf, PR, oder den t�glichen Verwaltungsstress noch aufbringen muss. Ich habe es mal f�r mich errechnet, nur just �for fun': Es waren noch 3,5 Stunden pro Tag. Also addieren wir noch einmal drei Stunden zu 15 Euro, und wir kommen auf den neuen Preis von 251 Euro pro St�ck.
Immer noch keine Rendite! Wie viel darf ein Pfeifenmacher als R�cklage aufschlagen? Zehn Prozent, oder zwanzig? Okay, auch wenn wir als Selbstst�ndige unseren eigenen Arbeitsplatz bezahlen m�ssen, die Altersvorsorge auf der untersten Ebene liegt und wir obendrein noch mit dem st�ndigen Problem leben, vielleicht schlechtes Rohmaterial eingekauft zu haben oder Absatzprobleme kompensieren zu m�ssen... wir nehmen also nur die minimalste Rendite, mit der sich kein Mensch der freien Wirtschaft einverstanden erkl�ren w�rde. Wir nehmen nur zehn Prozent. Dann m�ssen wir noch einmal 25 Euro addieren und kommen jetzt auf den durchschnittlichen Werksverkaufspreis von 276 Euro.
Eine derartige Grundkalkulation l�sst einen Konsumenten selbstverst�ndlich kalt. Er muss den Ladenverkaufspreis bezahlen. Und nun beginnt das Drama: Ware muss ihm ja irgendwie zug�nglich gemacht werden. Das bedeutet, dass sich irgendein Gro�h�ndler, Importeur oder eine Vertriebsorganisation der Sache annehmen muss. Dieser �bergibt das eingekaufte Produkt - ohne relative Sicherheit einer Vermarktungschance - seinen Mitarbeitern. Die fahren mit dem Sortiment quer durch Deutschland, produzieren sogenannte Vertriebskosten - sprich, sie brauchen einen PKW, m�ssen �bernachten und verbrauchen Spesen. Ob sie nun bei jedem Besuch eines Fachgesch�ftes die Ware an den Mann bringen, steht auch noch in den Sternen. Auf jeden Fall produzieren sie Kosten und diese kalkuliert ein Gro�h�ndler oder Distributeur im Regelfall noch einmal mit etwa 80 bis 100 Prozent. Das bedeutet jetzt, dass die Ware einen Fachh�ndler bei einer minimal Kalkulation des Grossisten 496 Euro kostet.
Das ist aber nicht das Ende vom Lied. Selbstverst�ndlich hat auch ein Fachh�ndler Kosten. Er f�hrt einen Laden mit gigantischen Mieten und hohen Energiekosten. Er hat Personal zu bezahlen und einen Warenbestand vorzufinanzieren - und das bei den heutigen Kreditkosten. High-Ends verkaufen sich auch nicht jeden Tag wie Sauerbrot. So locker wie in den 70er und 80er Jahren sitzt das Geld auch nicht mehr bei den Konsumenten - ganz zu Schweigen von der Tatsache, dass jeder Sammler sowieso schon genug Pfeifen in seinen Schr�nken hat. Also rechnen wir heutzutage mit einen St�ckzahlabverkauf in der High-Gruppe von durchschnittlich sechs Pfeifen pro Gesch�ft und pro Macher. Bei gut renommierten ein wenig mehr, und bei den anderen kann es auch weniger sein. Somit muss besagter H�ndler, um �ber die Runden zu kommen, einen Mark-Up von Faktor 2,2 fahren - und das kann er auch nur, weil Pfeifen nicht sein einziges Produkt sind. Sonst w�re er schon lange pleite. �Mischkalkulation' hei�t sein Zauberwort. Und davon profitieren die Pfeifenliebhaber.
Das war jetzt ein grobes Raster der Kalkulation eines High-End-Produktes. Und was ist das Ergebnis? Das durchschnittliche Einzelst�ck muss im Fachhandel 1091 Euro kosten - und das, ohne dass sich der Kreative sein gigantisches Risiko und seinen Einfallsreichtum in irgendeiner Form honorieren l�sst. Wollen wir jetzt einmal eine neue Kalkulation einer vergleichbaren Berufsgruppe mit deren Stundensal�r, bezahltem Urlaubsanspruch, Krankheitsausfallentsch�digung und sozialer H�ngematte aufmachen? Lieber nicht. Dann w�re Unikat f�r viele unerschwinglich. Nebenbei bemerkt: Pro zehn Euro, die ein Hersteller aufschlagen muss, kommen f�r den Konsumenten 40 Euro mehr auf den Endpreis.
�brigens, nur zum Nachdenken: Warum passiert es eigentlich so manchen hoch reputierten Pfeifenmachern, dass sie ihr Telefon abmelden m�ssen, ihre Motorr�der verkaufen oder vor�bergehend in ihren alten lohnabh�ngigen Job gehen, um wieder etwas Geld zu verdienen, damit sie danach ihre alte Passion wiederaufnehmen k�nnen?
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Und, was sagst Du nun?
Gru� Hans-J�rgen