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Weihnachten
von Joachim Acker

Weihnachten, schon allein der Klang des Namens läßt
die Augen der Menschen, egal ob Erwachsener oder Kind, aufleuchten
und zum glänzen bringen. Und wie sehr freut man sich auf
dieses Fest, auf das Schenken und natürlich auch auf das
Beschenkt werden, den reich bedachten Gabentisch, die üppig
gedeckte Festtafel, den geschmückten Baum mit den golden
leuchtenden Kerzen, den Stroh-und Glassternen die ihn zierten.
Es war behaglich warm in meiner kleinen Stube, ich saß
am Feuer, rauchte meine Pfeife und sah den Flammen im Kamin zu
wie sie hin und her loderten. Und erinnerte ich mich an ein anderes
Weihnachtsfest daß ich einst erlebte und wohl nie wieder
vergessen werde. Setz dich bequem in deinen Sessel, zünde
deine Pfeife an und und höre was ich dir zu erzählen
hab:
Ich
stand auf dem Marktplatz unserer kleinen Stadt, zündete
mir zum wiederholten Male die Pfeife an die Heute nicht so besonders
gut ziehen wollte. Um mich herum ein wildes Gewusel und Gehetze
der einkaufenden Menschen, die mit Taschen und Paketen durch
die Gassen eilten als sei es der letzte Tag in ihrem Leben an
dem sie einkaufen konnten. Meine Pfeife war schon wieder aus,
ärgerlich grummelnd zündete ich erneut an, warf das
Streichholz etwas genervt zu Boden und ging weiter, denn auch
ich hatte noch einige Besorgungen zu machen. Es wurde schon dunkel
als ich endlich fertig war, das Gewimmel in den Straßen
und Gassen hat sich gelichtet, der Abend nahte und mit ihm die
große Stunde der Bescherung.
Ich hatte meine Pfeife frisch mit meinem Lieblingstabak gefüllt
und die ersten Züge geraucht als ich an einer Mauerecke
einen Bettler sitzen sah. Er sah mich an und bat mich mit brüchiger,
zitternder Stimme um eine milde Gabe. Natürlich warf ich
ihm etwas in seinen alten verbeulten Blechteller. Einige kleine
Münzen lagen schon drinn, wenig genug. Ich kenne dich sagte
er zu mir: Du bist der Geschichtenerzähler der in dem kleinen
Haus auf der Stadtmauer wohnt. Was würdest du Heute für
eine Geschichte erzählen? fragte er mich. Ich wisse es nicht,
gab ich ihm zur Antwort. Der Bettler zog aus seiner Tasche eine
alte, abgenagte Stummelpfeife und bat mich um ein bißchen
Tabak und Feuer. Ich gab ihm beides und als ich weitergehen wollte
sagte er zu mir. Ich sei doch auch allein, habe keine Angehörigen
ob ich das heilige Fest mit ihm und seinen Freunden feiern möchte.
Mein allererster Gedanke war natürlich die Ablehnung dieser
Einladung, dann aber besann ich mich und versuchte mich durch
kluge Ausreden aus dieser Sache rauszuwinden. Aber er schnitt
mir mit einer Handbewegung die Sätze ab, packte mich am
Ärmel meines Mantels und zog mich mit. Wir gingen durch
die nun menschenleeren Gassen, hörten aus den Häusern
Weihnachtslieder erklingen, Musizieren, Gelächter und frohe
Rufe des Erstaunens und der Freude. Wir gingen durchs Stadttor,
ein Stück den Fluß hinauf und kamen an eine alte,
halbverfallene Scheune die auf einem verwahrlosten Grundstück
stand. Um ein loderndes Feuer standen eine Handvoll Gestalten
denen man ansah daß sie nicht mehr auf der Sonnenseite
des Lebens Zuhause waren. Ein alter Tisch, oder was auch immer
es war stand da, darauf hatte jeder der Gesellen ein kleines
Mitbringsel abgelegt. Natürlich kam auch ich nicht drum
herum meine Einkaufstasche zu leeren um auch etwas beizusteuern,
meine Begeisterung hielt sich da zwar in Grenzen, aber mir blieb
auch nichts anderes übrig.
Widerwillig
zögernd leerte ich meine Tasche, legte meine Gaben ebenfalls
auf den wackeligen Tisch zu dem was schon dort lag. Ein paar
Äpfel, Nüsse, ein bißchen Weihnachtsgebäck,
ein Brot dem man das Alter schon ansah, Käse und ein Stück
Wurst, bei barmherzigen Menschen zusammengebettelt. Der Tabak
den ich Nachmittags eingekauft habe fand sofort großen
Anklang, und dann standen wir um das Feuer herum, rauchten und
schauten in die Flammen. Ab und zu knackte ein Holzscheit, Funken
stiebten dann zum Himmel. Eigenartigerweise wurde nicht viel
gesprochen, jeder hing wohl seinen Gedanken nach und hielt die
klammen Hände der wärmenden Flamme entgegen.
Einer der Gestalten, ein alter, graubärtiger Mann, zog
eine zerfledderte Bibel aus der Tasche und las daraus die Worte
die uns überliefert sind. Mit brüchigen Stimmen in
die sich wohl auch unterdrückte Tränen mischten sang
dann die Runde eines der bekanntesten und wohl auch schönsten
Weihnachtslieder. Schweigen herrschte nun wieder im Kreis, und
genauso schweigend gingen sie alle zum Tisch und ein jeder nahm
sich etwas zum essen. Ein karges Mahl war es, fürwahr, aber
dankbar angenommen. Und dann standen wir wieder um das Feuer,
rauchten Pfeife oder Zigaretten, einer teilte eine Zigarre mit
seinem Nebenmann. Nun kam auch sowas wie ein Gespräch auf,
von besseren Zeiten wurde erzählt, wie man das Jahr verbracht
hat, Erinnerungen wurden ausgetauscht, von gutherzigen und mildtätigen
Bauern wurde gesprochen, vom harten und kargen Leben auf der
Straße.
Irgendwann später verabschiedete ich mich, sie dankten
mir für meine Gaben und daß ich bei ihnen war. Der
alte Mann der aus der Schrift las sagte mir zum Abschied daß
mich der Allmächtige segnen sollte für die Gaben die
ich ihnen gebracht hatte. Wenn er nur wüßte wie widerwillig
ich meine Tasche auf dem Tisch ausleerte, wie unwohl ich mich
hier fühlte. Es war nicht meine Welt in der ich mich hier
befand.
Und nun saß ich Zuhause, bin in der Wärme, habe
mir einen Tee zubereitet, eine frische Pfeife gestopft und saß
rauchend vor dem warmen Ofen. Der Abend am Feuer ging mir nochmals
durch den Kopf, ich erkannte mit einem Schlag wie hochnäsig,
eingebildet und abweisend ich zu den Landstreichern gewesen war.
Sie hatten sicherlich meine Ablehnung gespürt. Ich schämte
mich plötzlich. Mein Gewissen begann an die Türe zu
klopfen. Ich stand auf, ging in den Keller und suchte ein paar
Weinflaschen, griff in der Küche nach dem Schinken und dem
frischen Brot und ging zurück zum Fluß, zur alten
Scheune. Aber das Feuer war erloschen, die Gestalten ins irgendwohin
verschwunden.
Ich stand da, allein mit meinen Gaben. Freiwillig wollte ich
sie nun den Landstreichern geben aber es war keiner mehr da dem
ich sie geben konnte. Es war kalt in jener Nacht, und die größte
Kälte kam aus meinem Inneren.
Aber wir alle behalten ihn in unseren Geschichten und Liedern
in Erinnerung.
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